MediZ-Behandlungskonzept für Long-/Post-COVID-Syndrom

Die Ärzte im MediZ haben ein Behandlungskonzept entwickelt, das dem vielschichtigen Krankheitsbild Long-/Post-COVID in Diagnostik, Therapie und Rehabilitation professionell und umfassend gerecht werden soll. Ziel ist es, für dieses neuartige Krankheitsbild möglichst umfangreich alle wirksamen und unterstützenden Therapiemethoden zusammenzuführen und in einem individuellen Konzept einzusetzen.

Mit diesem Konzept wollen wir Standards und Leitlinien definieren, die als Maßstab für eine erfolgreiche Long-/Post-COVID-Behandlungstrategie dienen.

Für unser Long-/Post-COVID Behandlungskonzept gelten folgende Leitkriterien:

  1. Das Konzept orientiert sich an den Leitlinien der verschiedenen medizinischen Fachgesellschaften.
  2. Das Konzept soll grundsätzlich multimodal, integrativ und interdisziplinär ausgerichtet sein.
  3. In das Therapiespektrum werden aktuelle wissenschaftliche und universitäre Forschungsergebnisse integriert. Es gibt diverse Hypothesen zu den Pathomechanismen der Krankheitsentstehung. An einem medikamentösen Behandlungsansatz, der korrigierend in die Immunantwort des Körpers eingreifen soll, wird (schon länger) geforscht oder getestet. Bislang ist aber der Durchbruch an erfolgsversprechenden und gesicherten Interventionsmöglichkeiten noch nicht gelungen.
  4. Zu Beginn der Behandlung erstellen wir durch Anamnese, gezielte Untersuchungen und Laboruntersuchungen eine umfassende Krankheitsanalyse. Ggf. werden weitere fachärztliche Untersuchungen aus Kardiologie, Pneumologie oder bildgebende Verfahren hinzugezogen. Auf dieser Grundlage wird ein individueller Stufenplan zur Therapie und Rehabilitation erstellt.
  5. Primäres Ziel ist die symptomorientierte Behandlung. Dies beinhaltet vor allem die Behandlung von Schmerzen, von muskulären Verspannungen, Besserung des Schlafes u.v.m. Hierbei ist so viel Schulmedizin wie nötig und so viel Erfahrungsmedizin wie möglich einzusetzen.
  6. Auf sekundärer Ebene erfordert die Behandlung ein Konzept für die Kompensation der Folgen der pathologischen Immunreaktion und der Folgen von Stress auf den menschlichen Körper. Stress, oxidativer Stress, Krankheit als Trauma und überschießende Immunreaktionen verbrauchen in hohem Maße Energie, Spurenelemente und Vitamine. Folge davon sind Erschöpfung, Energielosigkeit und Fatigue. Schwäche und Kollaps körpereigener Grundfunktionen sind unter anderem dem Verbrauch dieser Ressourcen geschuldet. Diese Defizite und Mangelzustände sollten gezielt ausgeglichen und gestärkt werden. Dazu nutzen wir Methoden aus der orthomolekularer Medizin, Polyvagaltheorie, Psychotherapie und Ernährung. Ein stabilisierter Körper ist viel besser gegen eine gestörte Immunreaktionen gewappnet, als ein ausgebranntes und ausgezehrtes System. 
  7. In der dritten Ebene des Behandlungskonzeptes geht es um den Einsatz von ergänzenden Maßnahmen aus einem interdisziplinären Netzwerk aus Ergotherapie, Neurophysiologie, Neurologie, Physiotherapie, Atemtherapie, Riechtraining, Massage und Psychotherapie. Der Erfolg dieser Maßnahmen besteht insbesondere darin, dass die Therapieschritte durch die behandelnden Ärzte sinnvoll für das individuelle Krankheitsbild eingesetzt, abgestimmt und koordiniert werden. Wenn immer möglich, sollte hier eine Kooperation mit Kassenärzten bestehen, die diese Leistungen zur Rehabilitation verordnen könnten. Der Patient erhält von Anfang an individuelle Handlungspläne zur Selbstübung, Ruhephasentraining, Schlafverbesserung, Ausdauertraining, Bewegung und Ernährung. Durch eine Anpassung der Belastungsgrenzen kann der Betroffene aktiv Schritt für Schritt seinen Genesungsprozess mitgestalten.
  8. Dieses Konzept ist sowohl für milde aber auch für schwerwiegende Fälle von Post- und Long-COVID geeignet.

Grundsätzliches

Post-Virale Störungen und Fatique-Syndrome sind der Medizin schon lange bekannt, allerdings erfuhren diese nie die Aufmerksamkeit, wie die nach einer Covid-Erkrankung.

Betroffene sind von heute auf morgen in ihrer Leistungsfähigkeit auf den Ebenen Körper, Geist und Seele z. T. massiv eingeschränkt. Dies erzeugt tiefste Verunsicherung und Gefühle von Hilflosigkeit bis hin zu Angst und Depression. 

Die wissenschaftliche Medizin forscht an Möglichkeiten die pathologische Immunreaktion des Körpers zu beherrschen. Bis dato ist aber der Durchbruch in der Entwicklung von erfolgversprechenden Substanzen nicht gelungen.

Das Krankheitsbild ist vielschichtig und von Funktionsstörungen begleitet, die verschiedenste Ebenen betreffen. Dies erfordert ein interdisziplinäres Vorgehen und das Know-how aus vielen Fachdisziplinen gleichzeitig. Diese Bündelung von Kompetenzen ist in der ambulanten Versorgung selten zu finden. 

Die Behandlung von Long- und Post-COVID-Syndromen beansprucht Zeit – Zeit im Kontakt zwischen Arzt und Patient und Zeit für den Heilungsprozess.

Im ambulanten kassenärztlichen System ist bislang kein Honorierungssystem dafür vorhanden, dass der Arzt sich so umfangreich, so zeitintensiv und über einen vergleichbar langen Zeitraum mit einem Patienten beschäftigt. 

Ein COVID-Zentrum mit dem von uns formulierten Konzept kann – zumindest Stand heute – daher nur auf einer privatärztlichen Basis angeboten werden. Wir hoffen, dass auch auf kassenärztlicher Ebene in Zukunft Kompetenzzentren entstehen werden, die ein ähnlich fundiertes und breit aufgestelltes Angebot anbieten können. Der Bedarf an Behandlung ist allemal vorhanden.